Nachlese

KM: Kendlerroad-Derbysieger!

derbysiegerRed Star Penzing: Helfort 15 2:1 (2:1)

Derby gegen Helfort –  1 x Standard, 2 x Tormannfehler,
3 x Rote Karte –  Sieger RSP!

Es prallen immer Welten aufeinander, wenn es um die Vorherrschaft in der Kendlerstraße geht. SPC Helfort schon immer finanziell weit besser aufgestellt, der Kader nominell meist sehr gut und die Spielweise immer sehr hart an der Grenze des Erlaubten. Aber auch in der Ausdrucksweise, im Umgang miteinander, dem Gegner gegenüber und vor allem dem Schiedsrichter entgegen herrscht ein anderer, rauerer Ton. Dem Gegenüber unsere Jungs, die in der Fairplaywertung immer in den Spitzenrängen liegen (im Vorjahr erster dieser Wertung), wo Ausschlüsse ein sehr seltenes Ereignis darstellen und ganz bewusst großer Wert auf ein gutes Miteinander und im sportlichen Wettstreit auf ein faires Gegeneinander gelegt wird.

Statistiken und ihre Aussagekraft dürfen berechtigter Weise angezweifelt werden und doch gibt es Zahlen die beeindrucken. Und der Blick auf die letzten 7 Jahre Kendlerstraßenderby ist aus unserer Sicht ein ganz erfreulicher. Seit dem Frühjahr 2009 bis zum Spiel am Wochenende wurden 14 Meisterschaftsspiele ausgetragen. 11 Siege und 3 Unentschieden stehen für die Reds zu Buche. Ein Torverhältnis von 30 : 8 zu unseren Gunsten. Diese Zahlen belegen doch recht eindeutig, dass wir nicht zu den Lieblingsgegnern unserer Nachbarn zählen, der Frust schon sehr groß war und Helfort verzweifelt bemüht ist, dieser Serie ein Ende zu setzen.

Die Gäste kamen wie schon seit Jahren gewohnt und in der U23 nicht anders praktiziert, bereits umgezogen im Dress auf unseren Platz. Diese Unart (zugegeben aus unserer Sichtweise) führt fast jährlich zur kuriosen Situation, dass ausgeschlossene Spieler keine Kabine zur Verfügung haben und in der Kälte ausharren, oder aber die Kendlerstraße hinunterwandern müssen. So auch in dieser Partie, wo der ausgeschlossene Spieler nicht wusste, was er tun sollte.

Aber der Reihe nach: Das Spiel begann unsererseits sehr druckvoll und schnörkellos. Es wurde zielstrebig und schnell nach vorne gespielt, im Wissen dass Helfort Probleme beim Umschalten auf die Defensive hat. Die ersten 20 Minuten waren ganz im Zeichen der Rotsterne und vor allem Stürmer Hagen Niederkofler kam gleich zu Beginn zu Topchancen, aber er konnte die 1:1 Situationen mit dem gegnerischen Tormann leider nicht für sich entscheiden. In der 8. Minute war es soweit, der Tormann der Gäste konnte einen recht harmlos wirkenden Schussversuch nicht festhalten, Luki Sonvilla reagierte am schnellsten und spielte den Ball zum völlig freistehenden Patrick Ratschka, der wenig Mühe hatte den Ball im Tor unterzubringen. Trainer Michi Sonvilla: „In der Anfangsphase hätten wir bereits für klare Verhältnisse sorgen können und mit jeder vergebenen Chance wuchs die Befürchtung, dass wir bestraft werden könnten!“

Und so kam es zum zweiten Fauxpas eines Torhüters, diesmal betraf es aber unseren Keeper. Stefan Lebovic wollte einen harmlosen hohen Ball im 5er sichern, stieg hoch, konnte den Ball nicht festhalten und dieser prallte zwischen seine Beine nach hinten, wo nach einem Gestocher der gegnerische Spieler Marco Rosa die Nase vorne hatte. Es war ein richtiges „Steirertor“, das den Ausgleich herbeiführte. Danach war unser Team sichtlich geschockt und der Anfangselan, der Spielfluss ging verloren. Die Gäste kamen besser ins Spiel, ohne sich jedoch hochkarätige Chancen zu erspielen. Gegen Ende der ersten Halbzeit war die „Traumaphase“ aber wieder zu Ende und unsere Burschen hatten das Heft wieder in der Hand und Patrick Ratschka mit der Riesenchance auf den zweiten Treffer, wo er alleinstehend zu hastig mit seinem „starken Linken“ den Tormann abschoss. Die letzte Ecke vor der Pause brachte dann aber doch noch die Führung. Stark getreten vom wieder genesenen Bartek Dolubizna auf seinen, auf der zweiten Stange postierten Landsmann Roli Walczak, wo dieser wuchtig per Kopf den Führungs- und wie sich später herausstellte den Siegestreffer erzielte.

Zur Pause musste der angeschlagene Ratschka in der Kabine bleiben und Matthias Schatz ersetze den Torschützen des 1:0. Kurz nach der Pause kam es zum ersten Ausschluss nach einer weiteren rüden Attacke durch den Helfortakteur mit der Nr. 5 (Marco Hartlieb). Der Ausschluss und die zahlenmäßige Überlegenheit spiegelten sich im Spiel kaum wieder. Defensivfanatiker würden von einer souveränen zweiten Halbzeit reden, offensivorientierte Kritiker eher von einer schwachen Leistung, ohne große spielerische Akzente. Beides hat seine Berechtigung. Tatsache war aber, dass unser Team das Spiel defensiv kontrollierte und bis auf ein paar Standards keine Torchancen der Gäste zugelassen hat. Offensiv war nicht viel zu sehen und die schönste Kombination des Spiels über die linke Seite (mehrere Stationen mit 1 – 2 Ballberührungen) konnte von dem im 16er freigespielten Sebi Hosiner nicht im Tor untergebracht werden. So war es bis zum Schlusspfiff noch eine „Zitterpartie“, denn ein Tor aus einer Unachtsamkeit, einem Fehler, kann immer passieren.

In Hälfte zwei gingen die Helfortgemüter ziemlich hoch, da aus ihrer Sicht der Schiedsrichter bei der Verteilung der Gelben Karten ungerecht vorging. Trainer, Spieler und auch die Zuschauer sparten nicht mit derber, beschimpfender Kritik dem Unparteiischen gegenüber. Eines vorweg, ja es hat Situationen gegeben, da wäre auch eine Gelbe Karte für unsere Spieler möglich gewesen. Dass ständige und überzogene Kritik von allen Seiten noch nie dazu geführt hat, dass ein Spielleiter auf diese Forderungen einging, sondern meist kritische Entscheidungen gegen die „schimpfende, raunzende Mannschaft“ fällt, daraus dürften die aus ihrer Sicht sehr leidgeprüften Gäste noch immer keine Lehren gezogen haben.

Eines darf man aber als Heimverein von seinen Gästen schon erwarten können, dass keine (Schiedsrichter-)Türen eingetreten und keine Mülltonnen gegen das Kabinengebäude geschleudert werden -  und wir sprechen hier von Spielern und nicht von Zuschauern! An Dämlichkeit kaum zu überbieten war aber die Bedrohung des Schiedsrichters nach Spielende durch den Tormann der Gäste. Solche Szenen haben bei aller unterschiedlicher Auffassung über die Leistung eines Schiedsrichters nichts am Fußballplatz verloren und es bleibt zu hoffen, dass die offiziellen Beobachter des WFV, die an diesem Tag anwesend waren, auch einen ausführlichen Bericht über die Vorfälle nach dem Spielende verfassen.